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März 2012: Internationaler Frauentag

Am 8. März ist Frauentag, auch in Guatemala. Und während einige Männer auch einen Tag speziell für Männer fordern und verschiedene Einrichtungen zu diesem Anlass Kochkurse, Maniküre, Haareschneiden und dergleichen anbieten, Blumen verschenkt werden und für die Frauen mal “Etwas Schönes” veranstaltet werden soll, entgeht den meisten vollkommen, dass dies kein Feiertag für Frauen ist.
Frauen sind an diesem Tag doch nicht von Arbeit und sonstigen Pflichten befreit und selbst wenn sie an diesem Tag vielleicht netter behandelt werden oder eine Blume erhalten, dann ist dies lediglich ein trauriges Armutszeugnis derer, die noch nicht begriffen haben, was dieser Tag bedeutet.
Der 8. März ist ein Gedenktag, und zwar wird dem Kampf gedacht, dem Kampf der Frau gegen die ungerechte Behandlung und jegliche Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts und auch gegen die Reduktion ihrer selbst auf lackierte Fingernägel und ein blumenliebendes schönes Wesen, welches sich an diesem 8. März einmal mehr hübsch zurecht machen darf.
Auch wenn die Frauen über die Jahrzehnte hinweg viel erreicht haben, so steht ihnen noch ein langer Weg bevor. Besonders in Guatemala, wo der sogenannte “Machismo” noch immer vorherrscht. Frauen haben oftmals kein Mitspracherecht, was die Familienplanung und selbst ihre Gesundheit angeht, Frauen werden als “Eigentum” ihrer Männer betrachtet und besitzen kaum oder keine Entscheidungsfreiheit in der Familie. Frauen werden auf der Straße respektlos und als Objekt behandelt, Gewalt gegen Frauen ist leider noch immer traurige Realität des alltäglichen Lebens.
Zu diesem Anlass möchte EducArte einmal mehr auf dieses Thema aufmerksam machen und die Menschen sensibilisieren. Die Veranstaltung, welche im Gemeindesaal von Ciudad Vieja stattfindet, ist an Jugendliche gerichtet, die im nächsten Jahr die Schule verlassen werden. Nicht alle Schulklassen haben zugesagt, nicht alle Direktoren waren von der Wichtigkeit des Themas überzeugt.
Der Saal war dennoch voll. Paulo von CasaSito moderiert die Veranstaltung während Dirktorin Alejandra die aktuelle Situation der Frau in Guatemala darstellt und damit ins Thema einleitet. Im Anschluss führt die Gruppe “Break the Silence” ein Theaterstück auf, in dem das AIDS-Thema fokussiert wird. Eine Vertreterin der Organisation “Manos Abiertas” (dt. Offene Hände) klärt die Jugendlichen über ihre Rechte hinsichtlich sexueller Orientierung, Familienplanung, Verhütungsmitteln und besonders das Mitsprache- und Entscheidungsrecht der Frau auf.
Gegenseitiger Respekt, Gleichheit bezogen auf Rechte und Pflichten beider Geschlechter und der gemeinsame Kampf für dieses Ziel steht im Mittelpunkt der Veranstaltung. Das heißt also auch gemeinsam aktiv werden und Verantwortung übernehmen. Bevor Alejandra die Schlussworte spricht, sind die Vertreter aller anwesenden Einrichtungen und Organisationen aufgefordert, eine letzte Botschaft an alle zu vermitteln

Februar 2012: Umfrage zum Schülerrat

Der Schülerrat hat seine Arbeit aufgenommen und trifft sich regelmäßig zu seiner wöchentlichen Versammlung. Die erste organisatorische Herausforderung haben die fünf Mitglieder bereits hinter sich gebracht, nämlich das Fest zu Valentinstag und Karneval.
Wir haben die Kids befragt, wie ihnen das Fest gefallen hat.

Lucrecia (11): Mir hat es gut gefallen, besonders das Tanzen. Das haben sie (der Schülerrat) gut organisiert.

Ángela (10): Am besten fand ich das Essen. Vielen Dank an den Schülerrat. Es war ein schönes Fest.

Ivanna (4): Ich war eine Prinzessin. Mir hat das Zerbrechen der Eierschalen am besten gefallen.

Ana (8): Mir hat einfach alles gefallen.

Abigail (9): Ich mochte die Schokobananen und die Musik. Der Rat sollte aber seine Ordnung verbessern und klarmachen, wer wofür zuständig ist bei solchen Aktivitäten. Ich wünsche ihnen Erfolg und dass sie weiterhin eine gute Arbeit leisten.

Edgar (9): Das Essen war super. Mir hat das Fest sehr gut gefallen.

Gabriel (7): Es war alles toll, aber am besten fand ich, dass es Geschenke gab. Ach ja, und ich habe Lucrecia geheiratet.

Anderson (6): Es war klasse…alles. Ich habe auch geheiratet.

Dayana (12): Das Fest war ganz gut, so wie wir es geplant hatten. Der Schülerrat arbeitet bis auf ein Mitglied sehr gut. Wir versuchen dieses Problem zu lösen. Es fällt uns alles noch etwas schwer, da wir die Arbeit als Schülerrat auch erst begonnen haben.

Sonia (15): Das Fest war schön, mir hat gefallen, was sie vorbereitet hatten. Einige, nicht alle, vom Schülerrat machen wirklich eine gute Arbeit. Ich hoffe, sie machen weiter so und dass sich die anderen mehr einbringen.

Januar 2012: Interview mit dem Schülerrat

Seit diesem Jahr hat EducArte einen Schülerrat.
Fünf Schüler vertreten die gesamte Schülerschaft und sollen hier kurz vorgestellt werden. Sie erzählen, warum sie sich für den Schülerrat beworben haben.
Dayana (12): Anfangs war ich nur neugierig, aber mir gefällt die Idee, denen zu helfen, die sich nicht trauen. Wir sind deren Stimme. Manchmal sehen die Lehrer nicht, was die Schüler brauchen und wollen und durch uns erfahren sie dies nun.
Heidy (13): Ich nehme gern an sämtlichen Aktivitäten teil. Außerdem kann ich so lernen vor Publikum zu sprechen und somit meine Schüchternheit überwinden.
Erika (11): Ich möchte den Kindern und EducArte helfen.
Aníbal (13): Mir gefällt es im Schülerrat zu sein. So kann ich Feste mitorganisieren.
Victor (13): Ich möchte Spaß haben.

Eileen: Wie wurde der Schülerrat gewählt?
Dayana: Wir haben die Aushänge in der Schule gesehen, dass man sich für den Schülerrat bewerben kann. Von allen Bewerbern sollten fünf von der gesamten Schülerschaft gewählt werden…aber wir waren nur fünf Bewerber.
Eileen: Und wie wurden dann die jeweiligen Funktionen entschieden?
Heidy: Das entschied sich je nach Qualifikation, in welchem Bereich jeder Einzelne gut ist.
Eileen: Was genau macht ein Schülerrat?
Dayana, Heidy, Erika: Er kümmert sich um die Bedürfnisse der Schüler und unterstützt EducArte. Er dient dem Nutzen aller, sowohl Lehrern als auch Schülern, damit alle ihren Beitrag leisten in der gemeinsam verbrachten Zeit.
Eileen: Was ist euer erstes Projekt?
Doña Ángela: Unser erstes Projekt ist das Willkommensfest. Wir sprechen mit den Schülern, um zu erfahren, was sie sich für Aktivitäten wünschen und wir sammeln Geld dafür. Zum Beispiel haben wir Eierschalen bemalt und verkaufen die nun und wir kassieren die Strafen fürs Zuspätkommen oder für Fehltage.
Eileen: Was denkt ihr? Wie kommt euer Einsatz bei den anderen Schülern an?
Dayana: Ich denke, sie sind froh darüber, dass nun ihre Wünsche mehr berücksichtigt werden. Außerdem lernen sie auf diese Art, ihre Fragen zu entwickeln und teilzunehmen und sich einzubinden.
Eileen: Vielen Dank für eure Zeit.

 September 2011: Interview mit Doña Ángela

María Ángela Reyes Galindo ist um die 50 Jahre alt und Mutter von neun Kindern, wobei die Älteren bereits selbst Familien haben. Seit ungefähr fünf Jahren ist sie verwitwet und lebt seither allein mit den sechs jüngsten Kindern, die zwischen 9 und 30 Jahre alt sind.
Sie arbeitet als Haushaltshilfe bei wechselnden Familien. Die älteren Kinder tragen allerdings durch kleine Nebentätigkeiten ein wenig zum Familieneinkommen bei. Die vier jüngsten Kinder waren bei EducArte eingeschrieben. Jetzt sind es noch zwei, da die beiden älteren die Grundschule bereits abgeschlossen haben.

Eileen: Seit wann kennen Sie EducArte?
Doña Ángela: Die Leute haben davon gesprochen, dass es ein Projekt gibt. Aber es war viel zu weit weg. Später sind sie in unsere Straße gezogen. Da hat mein Mann die Kinder dort eingeschieben. Das war vor ungefähr sechs Jahren oder so.
Eileen: Was mögen Sie an EducArte und was gefällt Ihnen weniger?
Doña Ángela: Meine Kinder wussten gar nichts, hatten keine Bildung. Bei EducArte haben sie viel gelernt. Mir erscheint alles gut bei EducArte.
Eileen: Sie waren immer sehr vorbildlich, doch in letzter Zeit habe ich Sie bei den Versammlungen vermisst?
Doña Ángela: Manchmal arbeite ich einen ganzen Monat am Stück in einem Haushalt, da erlauben sie mir nicht, dass ich gehe bis die Arbeit getan ist.
Eileen: Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder?
Doña Ángela: Dass sie auch weiterhin zur Schule gehen und lernen.
Eileen: Was tun Sie, um sich zu entspannen?
Doña Ángela: Draußen im Freien spazieren gehen und frische Luft atmen.
Eileen: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Doña Ángela: Einen freien Tag zum Spaß haben.

Juni 2011: Interview mit Nina Weidenhausen

Nina ist 25 Jahre alt und verbringt 7 Wochen bei EducArte.
Im November 2011 hat sie ihr erstes Staatsexamen in Lehramt für Sonderpädagogik in Köln abgeschlossen und wird voraussichtlich im November mit dem Vorbereitungsdienst in NRW beginnen.
Bisher hat sie hauptsächlich in der Schule als Förderlehrerin mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet und AGs im Bereich Deutsch als Fremdsprache, Kunst und Bewegung geleitet.

Eileen: Warum bist du nach Guatemala gekommen?
Nina: Mir gefällt die lateinamerikanische Kultur und ich arbeite gerne als Freiwillige. Bisher war jeder Aufenthalt sehr bereichernd. Als Ausgangspunkt für eine Reise in den Süden habe ich Guatemala gewählt, da ich die mittelamerikanische Kultur in ihrer Vielfältigkeit besser kennenlernen möchte.
Eileen: Wo hast du Spanisch gelernt?
Nina: Ich habe damals drei Jahre in der Oberstufe Spanisch gelernt und danach im Ausland auf Reisen und als Freiwillige immer mehr dazu gelernt.
Eileen: Welche Länder hast du schon besucht?
Nina: Ich bin durch Südamerika gereist und habe zweimal in Bolivien und einmal in Mexiko als Volontärin gearbeitet.
Eileen: Wie bist du zu EducArte gekommen?
Nina: Ich habe das Projekt EducArte über Proyecto Mosaico kennengelernt, eine Non-profit Organisation, die Freiwillige in Mittelamerika vermittelt. Ich habe mich für das Projekt beworben, da ich mit Kindern und Jugendlichen in den Bereichen Bildung und Freizeitgestaltung arbeiten wollte.
Eileen: Was ist deine Aufgabe bei EducArte?
Nina: Ich unterrichte vormittags Kunst und Gestaltung in der Vorbereitungsklasse und in der Unterstufe. In der Unterstufe gebe ich zudem Förderunterricht und arbeite mit den Kindern an Lernstrategien, Arbeitshaltung und Gruppengefühl mit unterschiedlichen schulischen Inhalten (z.B. Mathe, Sprache o. Ä.). Nachmittags unterstütze ich Mitarbeiter und Schüler, wenn ein besonderer Förderbedarf besteht oder andere Aufgaben im Projekt anfallen. In der letzten Schulstunde realisiere ich kleine Aktivitäten mit den Kindern aus der Hausaufgabenbetreuung, wie Basteln mit unterschiedlichen Materialien, Bewegungsspiele u.v.m.
Eileen: Was findest du gut und was gefällt dir weniger am Projekt?
Nina: Ich bin sehr überzeugt, dass dieses Projekt eine nachhaltige Philosophie verfolgt, durch (Weiter-)Bildung die Menschen in ihrer Entwicklung in vielen Lebensbereichen zu unterstützen. Die festen Mitarbeiter, sowie Freiwillige unterstützen dieses Ziel und jeder hat den Freiraum sich bestmöglich mit seinen Fähigkeiten im Tagesgeschehen einzubringen. Ich finde es toll, dass somit jedem, Schülern, Eltern und Mitarbeitern, Möglichkeiten eingeräumt werden sich aktiv zu beteiligen und in vielen Aktionen innerhalb und außerhalb des regulären Unterrichts „EducArte“ gemeinsam gelebt wird. Schade finde ich, dass einige Ideen oft durch mangelnde finanzielle Möglichkeiten beschränkt bleiben, aber träumen kann man ja…

Mai 2011: Interview mit Ana Lucia

Im Rahmen der Sozialarbeit hat EducArte sehr oft mit ganz speziellen Situationen zu tun. So auch im Fall von Ana Lucia (21), die nach Jahren ihre beiden Kinder wieder bei sich hat. Diese lebten bei einer Pflegemutter. Doch aufgrund wiederholter Anzeigen wegen schwerer Kindesmißhandlung, sah sich EducArte verpflichtet, einzugreifen.
Mittels Mediation zwischen Pflegemutter, biologischer Mutter und den zuständigen Behörden begann der Prozess der Rückführung beider Kinder zur biologischen Mutter. Im Interview erzählt Ana Lucia ihre Geschichte:

Ana Lucia: Ich war 14 Jahre alt als ich von Zuhause auszog, weil mein Stiefvater mich ständig schlug. Also habe ich mir etwas Eigenes gesucht. Da lernte ich dann auch meinen Freund kennen, von dem ich schnell schwanger wurde. In dieser Zeit arbeitete ich für Doña Mari (spätere Pflegemutter) als Haushaltshilfe. Weil ich nicht allein für das Baby sorgen konnte, zog ich dann auch zu ihr. Mit meinem Freund war ich da nicht mehr zusammen. Als Gabriel geboren wurde, war ich 15 und einige Monate lebten wir bei Doña Mari und ihrer Familie. Das war aber sehr schwierig und als ich ausziehen wollte, wollte sie mir Gabriel nicht geben.
Eileen: Wie ging es dann weiter?
Ana Lucia: Ich zog wieder in eine eigene Wohnung…ohne Gabriel. Um ihn zu sehen, ging ich immer wieder zurück.
Eileen: Marta Rosely kam nur wenig später zur Welt. Was geschah dann?
Ana Lucia: Martas Vater hat mich sehr schlecht behandelt, er schlug mich, sperrte mich ein und gab mir nichts zu essen. Um Marta registrieren zu lassen, ließen wir den Ehemann von Doña Mari als Vater eintragen. Wieder lebte ich einige Zeit bei ihnen. Als ich ausziehen wollte, passierte dasselbe wie mit Gabriel. Doña Mari wollte Marta nicht hergeben und da ihr Mann als Vater registriert war, hatte ich gar keine Chance. Ab und zu konnte ich die beiden sehen, manchmal waren sie auch bei meiner Mutter. Später zog ich aber in ein anderes Dorf und hatte gar keinen Kontakt mehr.
Eileen: Wie kam der Kontakt nach so langer Zeit zustande?
Ana Lucia: EducArte machte mich ausfindig und lud mich zu einem Gespräch ein. Es gab wohl mehrere Anzeigen wegen Kindesmißhandlung gegen Doña Mari.
Eileen: In einem zweimonatigen Prozess der Rückführung sind die Kinder nun vollständig zu Ihnen gezogen. Wie funktioniert das Familienleben?
Ana Lucia: Ganz gut. Ich habe erst im März geheiratet und nun müssen wir uns alle gemeinsam an die neue Situation gewöhnen. Leider verdient mein Mann nicht genug, um die gesamte Familie ernähren zu können, so dass wir auf Hilfe angewiesen sind. Aber ich bin sehr glücklich, meine Kinder endlich bei mir zu haben und danke EducArte sehr dafür.

Anmerkung: EducArte wird die Familie weiterhin betreuen und regelmäßig besuchen, um sicherzustellen, dass es den Kindern gut geht. Im Moment kann allerdings bereits festgestellt werden, dass die Kinder sauber und regelmäßig zur Schule kommen und dass vor allem Marta wesentlich ausgeglichener und fröhlich ist. Die ökonomische Situation ist allerdings sehr besorgniserregend. Wenigstens haben die beiden Kinder jeweils einen Paten, so dass zumindest die Schulbildung abgesichert ist. EducArte versucht, so weit dies möglich ist, die Familie mit Lebensmittelspenden zu unterstützen.

Interview mit Andery Kayri

Die 12-jährige Andery ist im letzten Jahr nach Ciudad Vieja gezogen und kommt seitdem zu EducArte, wo sie nachmittags die “Beschleunigte Grundschule” besucht. Sie ist sehr aufgeschlossen, stets gutgelaunt und bekannt für ihre plötzlichen Lachanfälle. Sie lebt mit ihrer Mutter, dem Stiefvater und ihren vier kleinen Brüdern. Da ihre Mutter den ganzen Tag als Altenpflegerin arbeitet, muss Andery vor und nach der Schule auf ihre kleinen Geschwister aufpassen. Selbst noch ein Kind hat sie sehr viel Verantwortung zu tragen, wenn sie ganz allein mit den 2-jährigen Zwillingen und den beiden anderen Brüdern (3 und 4 Jahre) zu Hause ist. Nicht selten kommt sie übermüdet zur Schule und dennoch sieht man sie ständig fröhlich vergnügt.

Eileen: Du bist im letzten Jahr hergezogen und zu EducArte gekommen. Wo hast du vorher gelebt?
Andery: Ich habe vorher in der Hauptstadt bei meiner Oma gelebt. Meine Mutter lebt mit ihrem Mann hier in Ciudad Vieja und hat mich nun zu sich geholt.
Eileen: Wo gefällt es dir besser?
Andery: In Guate*. Da war es viel lustiger als hier. Ich habe mit Freunden draußen gespielt und immer kam jemand zu Besuch, meine Onkel und Cousins. Hier bin ich den ganzen Tag zu Hause und passe auf meine Geschwister auf.
Eileen: Was gefällt dir an EducArte und was gefällt dir weniger?
Andery: Mir gefällt alles, besonders die Lehrer, die bunten Räume und der Spielplatz.
Eileen: Was machst du am liebsten?
Andery: Ich spiele sehr gern Basketball.
Eileen: Was möchtest du später mal werden und warum?
Andery: Lehrerin. Ich mag es einfach. Außerdem kann ich dann später meinen Kindern helfen und ihnen alles erklären.
Eileen: Was wünscht du dir für die Zukunft?
Andery: Immer mit meiner Familie vereint zu sein und in Frieden leben zu können.
Eileen: Wie würdest du dich in einem Wort beschreiben?
Andery: Ich bin ein Witzbold. Ich mache gern Witze und kann über alles lachen.
Eileen: Was würdest du in Guatemala ändern?
Andery: Die Gewalt.

Februar 2011: Interview mit Sandra Magali López

Sandra Magalí ist 36 Jahre alt, verheiratet und Mutter von vier Kindern. Von Beruf ist sie Grundschullehrerin, doch wegen der Kinder entschied sie sich, zu Hause zu bleiben. Ihr Mann arbeitet als Schmied und verdient damit den gesamten Lebensunterhalt der Familie und der Großmutter, welche nebenan wohnt. Sandra ist sehr engagiert, bei sämtlichen Elternversammlungen anwesend und unterstützt EducArte bei vielen außerschulischen Aktivitäten.

Eileen: Wo kommen Sie ursprünglich her?
Sandra: Ich bin aus Xela. Dort habe ich meinen Mann kennengelernt, der damals allerdings schon hier in Ciudad Vieja wohnte. Vor sieben Jahren sind wir dann gemeinsam hier her gezogen.
Eileen: Seit wann kennen Sie EducArte?
Sandra: Seit mehr als 4 Jahren. Damals hatten mich Bekannte auf das Projekt aufmerksam gemacht und ich schickte meinen Ältesten hin. Jetzt besucht Libny EducArte. Sie ist in der zweiten Klasse.
Eileen: Was gefällt Ihnen an EducArte?
Sandra: EducArte ist etwas Besonderes. Die Art wie die Kinder unterrichtet werden, ist so ganz anders…sehr optimistisch und viel kreativer.
Eileen: Wie geht es Libny bei EducArte?
Sandra: Sie ist sehr zufrieden, es gefällt ihr sehr gut. Im Moment ist sie Kandidatin für Niña Carnaval bei EducArte. Ich bin sehr stolz auf mein Mädchen.
Eileen: Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder?
Sandra: …dass sie gute Menschen bleiben und vor allem eine guten Beruf erlernen und auch Arbeit finden.
Eileen: Was würden Sie gern in ihrem Leben ändern?
Sandra: Ich möchte mehr Zeit mit meinen Kindern haben…echte Zeit…zum Spielen, einfach nur mit ihnen zusammen sein. Ich weiß, das ist etwas, worum ich mich selbst bemühen muss. Aber es fällt einem schon manchmal ziemlich schwer bei all der Hausarbeit und anderen Aufgaben und Sorgen.

Im Jahr 2002 begann Alejandra Hernández mit einigen Freunden Ferienaktivitäten für Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien zu organisieren. Sie nannten ihr Projekt „EducArte“, denn ihre Idee war es, Bildung über Kunst zu vermitteln. Die damalige Studentin hätte sich wohl nie träumen lassen, dass aus dieser kleinen Ferieninitiative eines Tages kleines fest etabliertes Gemeindezentrum werden würde.

Eileen: Was bedeutet für dich EducArte?
Alejandra:
Für mich ist EducArte ein Raum, wo man „sein“ kann, träumen, sich ausdrücken und frei fühlen kann. Wir drängen die Kinder und ihre Familien nicht in eine Opferrolle, sondern versuchen ihnen empathisch gegenüberzutreten. Dabei wird jeder mit Respekt und Würde behandelt. Es ist mehr als nur ein Projekt, es ist eine Lebensart, ein Aufbegehren gegenüber jeglicher sozialer Benachteiligung. Es ist eine Familie, wo Lernen und Lehren beidseitig stattfindet und soziale Stärkung sowie Entwicklung Mittelpunkt aller Programme und Aktivitäten ist.
Eileen:
Wie siehst du die Entwicklung des Projekts?
Alejandra:
Stets kommen neue Menschen, aber auch neue Erkenntnisse, Hilfeformen und Methoden dazu, was wiederum mehr Verantwortung und Anforderungen mit sich bringt, doch das sehe ich als sehr positiv. Was die Räumlichkeiten angeht, so wirkt sich dieses Wachstum weniger positiv aus.
Eileen: Was wünschst du dir für EducArte?
Alejandra: So vieles, mehr Platz, mehr Bildungsmöglichkeiten für die Familien sowie unsere Mitarbeiter. Mein großer Traum ist: mehr EducArtes in anderen Gemeinden Guatemalas.
Eileen: Was treibt dich an?
Alejandra: Jeden Tag sehe ich den Mangel an Bildung, Gerechtigkeit und sozialem Bewußtsein. Der Traum einer besseren Zukunft, wo jeder für seine Arbeit das erhält, was er verdient, gibt mir Energie.
Eileen: Was tust du, um dich von der Arbeit zu entspannen?
Alejandra: Ich lese gern, höre Trova und Raggae-Musik und ich mag gute Gespräche mit ganz verschiedenen Leuten. Aber am meisten entspannt es mich, barfuß zu sein. Ich glaube, sobald ich die Schuhe ausziehe, kann ich besser denken.
Eileen: Wenn du eine Sache in deiner Welt ändern könntest, was wäre das?
Alejandra: Ich denke …da gibt es nichts. Alles ist doch irgendwie eine Konsequenz dessen, was wir denken und leben. Daher versuche ich lediglich verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen