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September 2011

“Tag der Unabhängigkeit” Wie jedes Jahr feiern die Schulen den Tag der Unabhängigkeit bereits am 14. September, einen Tag vorher. So auch EducArte. Man versammelt sich im Park von Antigua, wo der zivile Akt und verschiedene Spiele stattfinden, die Fackel wird entzündet und zurück nach Ciudad Vieja getragen.
Im Vorhinein wird jedoch kritisch betrachtet, was eigentlich gefeiert wird. Es heißt: Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität. Doch wie unabhängig und souverän ist das Land Guatemala wirklich? Wie frei sind seine Bewohner? Was hat Guatemala an diesem 15. September wirklich zu feiern?
Auch wenn es Vorwärtsschritte gibt, die man keinesfalls verleugnen kann und darf, so ist es offenbar noch ein weiter Weg bis sich das guatemaltekische Volk wirklich frei und unabhängig nennen kann. Aus diesem Grund soll der Unabhängigkeitslauf mit der Fackel ein Lauf der Hoffnung sein, Hoffnung auf wirkliche Freiheit, Hoffnung auf Verbesserung.

“Tag des Friedens” Am 21. September ist Tag des Friedens und dafür begibt sich EducArte zur Plaza in Ciudad Vieja, um den Leuten diesen Tag nahezubringen.
In vier Gruppen eingeteilt arbeiten die Teilnehmer gemeinsam zu ihrem jeweiligen Element: Erde, Wasser, Feuer und Wind, denn Frieden mit dem Planeten wird als Grundlage festgelegt. Im Anschluss erhält jede Gruppe einen Spruch, den es zu interpretieren gilt. Gemeinsam erarbeiten sie ein Plakat zum Thema. Die Kinder verteilen weiße Stoffbänder als Symbol des Friedens an die Passanten und laden diese ins “Friedensmuseum” ein, wo die jeweiligen Gruppen statuenhaft präsentieren, was Frieden für sie bedeutet.

“Kultureller Überfall” Thema dieses Überfalls ist “Selbstschutz”, um sexuellem Mißbrauch vorzubeugen. Dabei wird den Kindern mithife verschiedener Übungen nahegebracht, auf ihren Körper zu hören, unangenehme Gefühle wahrzunehmen und dementsprechend zu reagieren.
Sexueller Mißbrauch ist ein äußerst wichtiges Thema, da er leider für sehr viele Kinder in Guatemala traurige Realität ist. Die einzelnen Übungen zeigen, wie schwer es den Kindern fällt, ihre eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen und die der anderen wahrzunehmen.

“Workshop mit Bianca” Vor drei Jahren war sie das letzte Mal in Guatemala und hat dabei auch EducArte kennengelernt. Nun war die Psychologiestudentin aus Gießen fast fünf Wochen zu Besuch und veranstaltete einen kleinen Workshop mit acht EducArte-Kids. Gemeinsam gestalten sie einen Kalender für das Jahr 2012. “Typisch Guatemala” ist dabei die einzige Vorgabe. Die Kinder malen, kleben, gehen auf die Straße und machen Fotos. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und das soll es natürlich auch. Wir sind sehr stolz auf unsere kleinen Künstler, die alle zwischen 5 und 9 Jahren alt sind.
EducArte und vor allem die Teilnehmer des Workshops möchten sich recht herzlich bei Bianca, die inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, für die Zeit und Geduld bedanken. Außerdem gilt der Dank auch Marika Lamprecht aus Uichteritz in Sachsen-Anhalt, deren großzügige Spende dieses Projekt finanziell erst möglich gemacht hat.
Selbstverständlich lassen wir euch so bald wie möglich wissen, wo der Kalender in Deutschland erhältlich ist.

“Schwangerschaftsprävention” Am 26. September ist der internationale Tag der Prävention von Schwangerschaften im Kindes-und Jugendalter. In Lateinamerika und vor allem in Guatemala ist die Zahl der ungewollten Schwangerschaften bei jungen Mädchen höchst alarmierend. Viele sind erst 13 oder 14 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind zur Welt bringen und besiegeln somit oft eine Zukunft in Armut, ohne Hoffnung auf Bildung und damit auf eine Verbesserung ihrer Lebenslage.
Zu diesem Anlass wurden EducArte und eine weitere Organisation in ein Gesundheitsprojekt eingeladen, um diese ernste Angelegenheit zu einem wichtigen Thema zu machen. Während die Organisation Alas/ Wings, mit den Jugendlichen arbeitete und anschließend eine Gesundheitsmesse mit Spielen und Fragen zum Thema organisierte, sprach EducArte mit ungefähr 35 Frauen und 2 Männern zu dem Thema “Was können wir als Eltern tun, um eine ungewollte Schwangerschaft bzw. Vaterschaft unser Kinder zu verhindern?”.
Es ist immer ein wenig heikel Sexualität und vor allem Verhütungsmethoden zum Thema zu machen. Man weiß nie, wie die Leute reagieren. Offenbar hatten wir Glück, denn alle Anwesenden im Raum hatten Eines gemeinsam, und zwar den Wunsch, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Und dazu ist es notwendig, sich zu informieren, um seine Kinder angemessen orientieren und unterstützen zu können.

“Einweihung” Endlich ist EducArte eingerichtet und hat sich im neuen Haus eingelebt, so dass wir schließlich auch unsere Einweihung feiern konnten. Leider erschienen weit weniger Leute als erwartet, was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tat.
NACHTRAG: Wir möchten uns noch recht herzlich für die Umzugsspende von Familie Pietsch, Mareike Junge und Helmar Jackisch bedanken. Der etwas späte Geldregen ermöglicht es uns, einige noch ausstehende Arbeiten am Haus vorzunehmen. Danke schön.

 September 2011: Interview mit Doña Ángela

María Ángela Reyes Galindo ist um die 50 Jahre alt und Mutter von neun Kindern, wobei die Älteren bereits selbst Familien haben. Seit ungefähr fünf Jahren ist sie verwitwet und lebt seither allein mit den sechs jüngsten Kindern, die zwischen 9 und 30 Jahre alt sind.
Sie arbeitet als Haushaltshilfe bei wechselnden Familien. Die älteren Kinder tragen allerdings durch kleine Nebentätigkeiten ein wenig zum Familieneinkommen bei. Die vier jüngsten Kinder waren bei EducArte eingeschrieben. Jetzt sind es noch zwei, da die beiden älteren die Grundschule bereits abgeschlossen haben.

Eileen: Seit wann kennen Sie EducArte?
Doña Ángela: Die Leute haben davon gesprochen, dass es ein Projekt gibt. Aber es war viel zu weit weg. Später sind sie in unsere Straße gezogen. Da hat mein Mann die Kinder dort eingeschieben. Das war vor ungefähr sechs Jahren oder so.
Eileen: Was mögen Sie an EducArte und was gefällt Ihnen weniger?
Doña Ángela: Meine Kinder wussten gar nichts, hatten keine Bildung. Bei EducArte haben sie viel gelernt. Mir erscheint alles gut bei EducArte.
Eileen: Sie waren immer sehr vorbildlich, doch in letzter Zeit habe ich Sie bei den Versammlungen vermisst?
Doña Ángela: Manchmal arbeite ich einen ganzen Monat am Stück in einem Haushalt, da erlauben sie mir nicht, dass ich gehe bis die Arbeit getan ist.
Eileen: Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder?
Doña Ángela: Dass sie auch weiterhin zur Schule gehen und lernen.
Eileen: Was tun Sie, um sich zu entspannen?
Doña Ángela: Draußen im Freien spazieren gehen und frische Luft atmen.
Eileen: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Doña Ángela: Einen freien Tag zum Spaß haben.

August 2011

“Willkommen im neuen Haus” Am 1. August hat das neue EducArte-Haus seine Türen geöffnet. Während der ersten Führung staunten Kinder und Eltern nicht schlecht. So groß und so hell. Besonders die jüngeren Kinder waren hellauf begeistert, so dass ihre Pausenbeschäftigung darin bestand, die Treppen hoch und runter zu stürmen. Andere verliefen sich auf den Weg zur Toilette…natürlich nur die Kleinen, die sich erst einmal orientieren mussten. Auch die älteren Kinder und Eltern fanden viele positive Worte.
Dank Voluntärin Nina fand sogar ein Willkommensfest für die Kinder und Mitarbeiter statt. Es gab Kuchen und Popcorn und als Höhepunkt die Vorstellung eines Pantomimes, der Kinder und Betreuer in seinen Auftritt einbezog und zum Lachen brachte. Gleichzeitig war dies auch der Abschied von Nina, die wir sehr vermissen werden. Vielen Dank für deine Unterstützung.

“Kultureller Überfall”: In regelmäßigen Abständen werden die Kinder bei EducArte aus ihren Klassen und damit aus ihrer täglichen Routine geholt und versammelt. Kinder und Mitarbeiter sollen sich strecken und Arme und Beine ausschütteln. Im Anschluss sollen alle paarweise und mit geschlossenen Augen tanzen. Niemand muss befürchten, dass sich jemand lustig macht. Jeder kann sich ausleben und bewegen wie er will.
Bei der nächsten Übung werden die Partner gewechselt. Ein Partner schließt die Augen und lässt sich von dem anderen durch den Raum führen, wobei sich nur die Spitzen des Zeigefingers berühren dürfen. Später werden zwei Gruppen gebildet, die jeweils ein Holzstäbchen mit dem Mund herumgeben müssen und sich danach darüber austauschen, wie sie sich dabei gefühlt haben.
Bei der letzten Übung geht es darum eine “Puppe” zu verkaufen. In vielen Kleingruppen wird eine Person als Puppe zum Verkauf angeboten. Dabei sollen die Verkäufer die guten Eigenschaften dieser Person/ Puppe anpreisen.
Am Ende umarmen sich alle Teilnehmer der Reihe nach.
Mithilfe dieser “Überfälle” sollen Selbstbewusstsein, Gruppengefühl und der sprachliche und körperliche Ausdruck gefördert werden. Außerdem dienen sie dazu, neue Energie zu schöpfen und die alltägliche Routine zu durchbrechen.

Juli 2011

“EducArte Negra”: In den Wäldern Guatemalas befindet sich ein kleines Dorf.
Dort leben Zwerge, die so wundervoll singen, dass Menschen ausganz Guatemala kommen, um ihnen zuzuhören. Man sagt, die Zwerge hätten einen speziellen Schatz, doch niemand wisse, was es sei. Dennoch haben die Piraten der Karibik vor zwei Tagen diesen Schatz gestohlen und ihn zu ihrem Schiff “EducArte Negra” gebracht. Seitdem singen die Zwerge vor lauter Trauer nicht mehr. Die armen Kleinen brauchen Hilfe, damit sie wieder singen können. Dafür müssen die Kinder jeden einzelnen Piraten auf dem Schiff finden und ein Spiel mit diesem machen. Wenn sie das Spiel gewinnen, erhalten sie jeweils einen Buchstaben, der ihnen am Ende hilft, den Ort herauszufinden, wo der Schatz versteckt ist.”
Vielen, vielen Dank an alle Volontäre, die diese tolle Aktivität für die Kinder organisiert und durchgeführt haben.

Adiós Casita: Wir mussten umziehen. Trotz aller Versuche, mit dem Vermieter zu verhandeln, wollte dieser den Mietvertrag leider nicht mehr verlängern. Aus diesem Grund haben wir uns in einer letzten Veranstaltung von unserem geliebten Haus verabschiedet. Wir hatten eine Woche Zeit, um zu packen, alle Möbel und Kartons ins neue Haus zu bringen, das alte Haus sauber und gestrichen zu übergeben und das neue Haus einzurichten
… und
… WIR HABEN ES GESCHAFFT.

Wir sind stolz und beeindruckt, dies alles in der Zeit und so koordiniert bewerkstelligt zu haben.

Juni 2011: Schule für Eltern

Einmal im Monat ist “Elternschule” angesagt. Optimistischerweise nennen wir das Programm noch immer so, obwohl die Erfahrung zeigt, dass ausschließlich Mütter daran teilnehmen. In den jeweiligen Sitzungen werden Erfahrungen ausgetauscht, Diskussionen geführt und spielpädagogisch Strategien eingeübt; alles vor dem Hintergrund eines Themas, nämlich “Liebevolle Erziehung”.
Die Mütter versuchen mithilfe neuer Ideen und Methoden ihr aktuelles Erziehungsverhalten zu überdenken… und zu ändern. EducArte unterstützt sie dabei und bietet ihnen Raum, ihre persönlichen Geschichten zu thematisieren und innerfamiliäre Gewalt zum Schwerpunkt zu machen. Es geht nicht darum, die Frauen zu verurteilen, sondern sie in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, für sie als Ansprechpartner da zu sein und ein Gruppengefühl zu schaffen, damit sie sich vertrauensvoll öffnen können. Es werden alternative Erziehungsmethoden vorgestellt, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und eine liebevolle Beziehung zu sich selbst und ihren Kindern aufzubauen.
An dieser Stelle ist anzumerken, dass selbstverständlich nicht in jeder Familie ein aggressives Klima herrscht. Dennoch muss man deutlich sagen, dass dies leider bei dem Großteil der Familien, mit denen EducArte arbeitet, der Fall ist.

Neue Arbeitstechniken: Nina ist Freiwillige bei EducArte und bereichert pädagogisch kompetent und voller Enthusiasmus sowohl die Kinder als auch das EducArte- Team. Mit neuen Ideen und verschiedenen Techniken leistet sie einen wichtigen Beitrag zum EducArte-Alltag. Außerdem unterstützt sie viele andere Aktivitäten bei EducArte, so auch beim “Tag des Berufes”. Dabei verkleideten sich Kinder und Mitarbeiter und stellten sich z.B. als Krankenschwester, Bauarbeiter, Feuerwehrmann oder Lehrerin vor und erklärten deren Aufgaben und warum sie sich für diesen Beruf entschieden haben. Mehr über Nina erfahrt ihr im Interview und in ihrem Erfahrungsbericht.

Schwerer Abschied: Nach 3 ½ Jahren Zusammenarbeit musste sich EducArte schweren Herzens von Vero verabschieden. In den letzten zwei Jahren unterrichtete sie die Kindergartengruppe und die Vorschule und davor arbeitete sie mit der Multi-Aula-Gruppe. Als Mitarbeiterin, Lehrerin und Freundin wird sie uns sehr fehlen. Wir wünschen ihr alles Gute für die Zukunft und viel Erfolg bei ihrem Psychologiestudium, dem sie sich nun vollständig widmen wird. Vielen Dank für die gemeinsame Zeit.

Juni 2011: Interview mit Nina Weidenhausen

Nina ist 25 Jahre alt und verbringt 7 Wochen bei EducArte.
Im November 2011 hat sie ihr erstes Staatsexamen in Lehramt für Sonderpädagogik in Köln abgeschlossen und wird voraussichtlich im November mit dem Vorbereitungsdienst in NRW beginnen.
Bisher hat sie hauptsächlich in der Schule als Förderlehrerin mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet und AGs im Bereich Deutsch als Fremdsprache, Kunst und Bewegung geleitet.

Eileen: Warum bist du nach Guatemala gekommen?
Nina: Mir gefällt die lateinamerikanische Kultur und ich arbeite gerne als Freiwillige. Bisher war jeder Aufenthalt sehr bereichernd. Als Ausgangspunkt für eine Reise in den Süden habe ich Guatemala gewählt, da ich die mittelamerikanische Kultur in ihrer Vielfältigkeit besser kennenlernen möchte.
Eileen: Wo hast du Spanisch gelernt?
Nina: Ich habe damals drei Jahre in der Oberstufe Spanisch gelernt und danach im Ausland auf Reisen und als Freiwillige immer mehr dazu gelernt.
Eileen: Welche Länder hast du schon besucht?
Nina: Ich bin durch Südamerika gereist und habe zweimal in Bolivien und einmal in Mexiko als Volontärin gearbeitet.
Eileen: Wie bist du zu EducArte gekommen?
Nina: Ich habe das Projekt EducArte über Proyecto Mosaico kennengelernt, eine Non-profit Organisation, die Freiwillige in Mittelamerika vermittelt. Ich habe mich für das Projekt beworben, da ich mit Kindern und Jugendlichen in den Bereichen Bildung und Freizeitgestaltung arbeiten wollte.
Eileen: Was ist deine Aufgabe bei EducArte?
Nina: Ich unterrichte vormittags Kunst und Gestaltung in der Vorbereitungsklasse und in der Unterstufe. In der Unterstufe gebe ich zudem Förderunterricht und arbeite mit den Kindern an Lernstrategien, Arbeitshaltung und Gruppengefühl mit unterschiedlichen schulischen Inhalten (z.B. Mathe, Sprache o. Ä.). Nachmittags unterstütze ich Mitarbeiter und Schüler, wenn ein besonderer Förderbedarf besteht oder andere Aufgaben im Projekt anfallen. In der letzten Schulstunde realisiere ich kleine Aktivitäten mit den Kindern aus der Hausaufgabenbetreuung, wie Basteln mit unterschiedlichen Materialien, Bewegungsspiele u.v.m.
Eileen: Was findest du gut und was gefällt dir weniger am Projekt?
Nina: Ich bin sehr überzeugt, dass dieses Projekt eine nachhaltige Philosophie verfolgt, durch (Weiter-)Bildung die Menschen in ihrer Entwicklung in vielen Lebensbereichen zu unterstützen. Die festen Mitarbeiter, sowie Freiwillige unterstützen dieses Ziel und jeder hat den Freiraum sich bestmöglich mit seinen Fähigkeiten im Tagesgeschehen einzubringen. Ich finde es toll, dass somit jedem, Schülern, Eltern und Mitarbeitern, Möglichkeiten eingeräumt werden sich aktiv zu beteiligen und in vielen Aktionen innerhalb und außerhalb des regulären Unterrichts „EducArte“ gemeinsam gelebt wird. Schade finde ich, dass einige Ideen oft durch mangelnde finanzielle Möglichkeiten beschränkt bleiben, aber träumen kann man ja…

Mai 2011: Muttertag

Jedes Jahr am 8. Mai wird in Guatemala Muttertag gefeiert. In manchen Schulen haben die Kinder frei, um diesen Tag mit ihren Mamas zu verbringen und in anderen Schulen werden die Mütter zur alljährigen Muttertagsfeier eingeladen, wo die Kinder Gedichte vortragen, ihre selbstgebastelten Geschenke überreichen und Lobeslieder auf die Mamis singen.

EducArte will in diesem Jahr den Müttern auf ganz andere Art etwas Gutes tun. Daher wird das Schulhaus zum Jahrmarkt für Muttis. Die Kinder basteln die Eintrittskarten, auf denen die alle Spiele und Stationen vermerkt sind, und schicken ihre Mamas zum “Jahrmarkt”. Nach anfänglicher Zurückhaltung tauen die Frauen allmählich auf und beginnen, an den Spielen teilzunehmen und den Tag ohne Kinder und nur unter sich zu genießen.

Es ist alles dabei, was ein Jahrmarkt zu bieten hat: Spiele wie Ringwerfen, Fußball, Kegeln, Stuhltanz und Bingo, eine Disko und vieles mehr. Es gibt Preise, eine Tombola, Kuchen und andere Leckereien. So ausgelassen albernd und vor allem lachend sieht man diese Frauen selten. Wer behauptet, dass Spiele nur etwas für Kinder seien?

Nach den Spielen und dem Essen finden sich alle Frauen in einer Runde zusammen. Ursprünglich soll dies eine kurze Verabschiedung werden. Aber plötzlich ergibt sich eine ergreifende Eigendynamik der gesamten Veranstaltung. Jede Frau bekommt die Chance, etwas zu sagen und fast alle nutzen die Möglichkeit. Eine Mutter steht auf und beginnt ein bekanntes Lied über die Mutter zu singen, wobei die ersten Tränen vieler Anwesender fließen. Einige Frauen erzählen ihre Geschichten, manche offenbar zum ersten Mal. Nur die allerwenigsten handeln von Liebe und Glück. Andere Frauen teilen ihr Mitgefühl und Verständnis mit und finden Worte, die Mut machen. Dankend umarmen sich alle zum Abschied, doch noch immer scheint keine der Frauen wirklich gehen zu wollen.

Musik soll die Aufräumarbeiten einleiten und das Veranstaltungsende signalisieren. Doch die Frauen beginnen zu tanzen, schnappen sich einfach einen Besen, waschen ab und räumen die Stühle und Tische wieder an Ort und Stelle … tanzend.

Mai 2011: Interview mit Ana Lucia

Im Rahmen der Sozialarbeit hat EducArte sehr oft mit ganz speziellen Situationen zu tun. So auch im Fall von Ana Lucia (21), die nach Jahren ihre beiden Kinder wieder bei sich hat. Diese lebten bei einer Pflegemutter. Doch aufgrund wiederholter Anzeigen wegen schwerer Kindesmißhandlung, sah sich EducArte verpflichtet, einzugreifen.
Mittels Mediation zwischen Pflegemutter, biologischer Mutter und den zuständigen Behörden begann der Prozess der Rückführung beider Kinder zur biologischen Mutter. Im Interview erzählt Ana Lucia ihre Geschichte:

Ana Lucia: Ich war 14 Jahre alt als ich von Zuhause auszog, weil mein Stiefvater mich ständig schlug. Also habe ich mir etwas Eigenes gesucht. Da lernte ich dann auch meinen Freund kennen, von dem ich schnell schwanger wurde. In dieser Zeit arbeitete ich für Doña Mari (spätere Pflegemutter) als Haushaltshilfe. Weil ich nicht allein für das Baby sorgen konnte, zog ich dann auch zu ihr. Mit meinem Freund war ich da nicht mehr zusammen. Als Gabriel geboren wurde, war ich 15 und einige Monate lebten wir bei Doña Mari und ihrer Familie. Das war aber sehr schwierig und als ich ausziehen wollte, wollte sie mir Gabriel nicht geben.
Eileen: Wie ging es dann weiter?
Ana Lucia: Ich zog wieder in eine eigene Wohnung…ohne Gabriel. Um ihn zu sehen, ging ich immer wieder zurück.
Eileen: Marta Rosely kam nur wenig später zur Welt. Was geschah dann?
Ana Lucia: Martas Vater hat mich sehr schlecht behandelt, er schlug mich, sperrte mich ein und gab mir nichts zu essen. Um Marta registrieren zu lassen, ließen wir den Ehemann von Doña Mari als Vater eintragen. Wieder lebte ich einige Zeit bei ihnen. Als ich ausziehen wollte, passierte dasselbe wie mit Gabriel. Doña Mari wollte Marta nicht hergeben und da ihr Mann als Vater registriert war, hatte ich gar keine Chance. Ab und zu konnte ich die beiden sehen, manchmal waren sie auch bei meiner Mutter. Später zog ich aber in ein anderes Dorf und hatte gar keinen Kontakt mehr.
Eileen: Wie kam der Kontakt nach so langer Zeit zustande?
Ana Lucia: EducArte machte mich ausfindig und lud mich zu einem Gespräch ein. Es gab wohl mehrere Anzeigen wegen Kindesmißhandlung gegen Doña Mari.
Eileen: In einem zweimonatigen Prozess der Rückführung sind die Kinder nun vollständig zu Ihnen gezogen. Wie funktioniert das Familienleben?
Ana Lucia: Ganz gut. Ich habe erst im März geheiratet und nun müssen wir uns alle gemeinsam an die neue Situation gewöhnen. Leider verdient mein Mann nicht genug, um die gesamte Familie ernähren zu können, so dass wir auf Hilfe angewiesen sind. Aber ich bin sehr glücklich, meine Kinder endlich bei mir zu haben und danke EducArte sehr dafür.

Anmerkung: EducArte wird die Familie weiterhin betreuen und regelmäßig besuchen, um sicherzustellen, dass es den Kindern gut geht. Im Moment kann allerdings bereits festgestellt werden, dass die Kinder sauber und regelmäßig zur Schule kommen und dass vor allem Marta wesentlich ausgeglichener und fröhlich ist. Die ökonomische Situation ist allerdings sehr besorgniserregend. Wenigstens haben die beiden Kinder jeweils einen Paten, so dass zumindest die Schulbildung abgesichert ist. EducArte versucht, so weit dies möglich ist, die Familie mit Lebensmittelspenden zu unterstützen.

März 2011: Große Wahl zum Karneval, Teil 2

Eine Woche nach der Präsentationsfahrt der 7 Kandidatenpärchen durch Ciudad Vieja fand die eigentliche Wahlveranstaltung in den Räumlichkeiten der Gemeinde statt. Während die Kandidaten aufgeregt durch die Gegend wirbeln, nervöse Mütter die verschiedenen Outfits ordnen, damit es später beim Umziehen nicht allzu chaotisch zugeht, wird der Saal geschmückt, Tische und Stühle für die Jury bereitgestellt und die Technik aufgebaut.
Mit der in Guatemala üblichen Stunde Verspätung beginnt nun die Veranstaltung. Es gibt sogar ein Programmzettel, welcher durch die 14 Programmpunkte führt. Die Kinder und deren Familien sowie weitere Gäste von anderen Organisationen sitzen gespannt im Publikum.

Die Jury wird vorgestellt. Es sind 7 Mitglieder, darunter auch Miss Ciudad Vieja, eine Tanzlehrerin und ein Stylist. Die Kandidaten müssen sich in vier verschiedenen Outfits bzw. Themen vorstellen: Fantasie, Sport, typische Trachten und Abendkleidung. Außerdem soll jeder eine Frage zu Themen wie Umweltschutz, Kinderrechte und Verbesserung der Gesellschaft beantworten. Um ihnen die nötige Zeit zum Kleidungswechsel zu geben, gibt es verschiedene kleine Zwischenauftritte von 2 kleinen Mädchen, die einen arabischen Bauchtanz vorführen oder der Moderatorin, welche auch Sängerin ist. Ein weiterer junger Herr versucht sich ebenfalls im Singen. Offensichtlich ist es weniger wichtig, die Stimme und Melodie halten zu können, um den Saal zum Rocken zu bringen, als vielmehr mit bekannten Schlagern einen lautstarken Chor im Publikum auf seiner Seite zu haben.

Am Ende aller Präsentationen zieht sich die Jury für 15 Minuten zur Beratung zurück. Es gibt zwei Gewinnerpaare. Caterin und Pablo aus der Kindergartengruppe sind nun Niño und Niña Carnaval und Libny und Josué für die “Beschleunigte Grundschule” Gruppe 2 wurden zu Niño und Niña EducArte gekrönt. Es ist alles sehr feierlich und aufregend für die Kids.

Wie die Jury zu ihrem Ergebnis kam, hat man nie erfahren, für uns hatten alle gewonnen. Erschöpft geht es nach Hause. Einige Kinder und Mütter helfen noch beim Aufräumen. Die Karnevalsfeier mit Kostümen findet eine Woche später statt.

Interview mit Andery Kayri

Die 12-jährige Andery ist im letzten Jahr nach Ciudad Vieja gezogen und kommt seitdem zu EducArte, wo sie nachmittags die “Beschleunigte Grundschule” besucht. Sie ist sehr aufgeschlossen, stets gutgelaunt und bekannt für ihre plötzlichen Lachanfälle. Sie lebt mit ihrer Mutter, dem Stiefvater und ihren vier kleinen Brüdern. Da ihre Mutter den ganzen Tag als Altenpflegerin arbeitet, muss Andery vor und nach der Schule auf ihre kleinen Geschwister aufpassen. Selbst noch ein Kind hat sie sehr viel Verantwortung zu tragen, wenn sie ganz allein mit den 2-jährigen Zwillingen und den beiden anderen Brüdern (3 und 4 Jahre) zu Hause ist. Nicht selten kommt sie übermüdet zur Schule und dennoch sieht man sie ständig fröhlich vergnügt.

Eileen: Du bist im letzten Jahr hergezogen und zu EducArte gekommen. Wo hast du vorher gelebt?
Andery: Ich habe vorher in der Hauptstadt bei meiner Oma gelebt. Meine Mutter lebt mit ihrem Mann hier in Ciudad Vieja und hat mich nun zu sich geholt.
Eileen: Wo gefällt es dir besser?
Andery: In Guate*. Da war es viel lustiger als hier. Ich habe mit Freunden draußen gespielt und immer kam jemand zu Besuch, meine Onkel und Cousins. Hier bin ich den ganzen Tag zu Hause und passe auf meine Geschwister auf.
Eileen: Was gefällt dir an EducArte und was gefällt dir weniger?
Andery: Mir gefällt alles, besonders die Lehrer, die bunten Räume und der Spielplatz.
Eileen: Was machst du am liebsten?
Andery: Ich spiele sehr gern Basketball.
Eileen: Was möchtest du später mal werden und warum?
Andery: Lehrerin. Ich mag es einfach. Außerdem kann ich dann später meinen Kindern helfen und ihnen alles erklären.
Eileen: Was wünscht du dir für die Zukunft?
Andery: Immer mit meiner Familie vereint zu sein und in Frieden leben zu können.
Eileen: Wie würdest du dich in einem Wort beschreiben?
Andery: Ich bin ein Witzbold. Ich mache gern Witze und kann über alles lachen.
Eileen: Was würdest du in Guatemala ändern?
Andery: Die Gewalt.