Die Kölnerin Helena Mainka (in Guatemala Elena genannt) hat nach dem Abitur beschlossen, Lateinamerika kennenzulernen. Zwei Monate hat sie bei EducArte als Voluntärin in der Ferienschule gearbeitet. Die 18-jährige hat sich durch ihre positive und offene Art sowie durch ihre große Eigeninitiative sehr beliebt gemacht, sowohl bei den Kindern als auch bei den Lehrern.    

Eileen: Warum bist du nach Guatemala gekommen? 

Helena: Als das Ende der Schulzeit nahte, stand fest, dass ich nach dem Abitur ein Jahr Pause brauche. Da ich sowieso noch nicht wusste, was ich in Zukunft studieren möchte, passte mir das eigentlich ganz gut. Einige meiner Freunde waren schon während der Schulzeit in Lateinamerika und haben mir viel erzählt, Fotos gezeigt und vor allem die Musik in meine Ohren gebracht. Wir sind immer zusammen auf Reggaeton Partys gegangen. Ich liebe die Sprache und war hin und weg von all den Erzählungen, Bildern und Vorstellungen über Lateinamerika. Als dann auch noch eine Austauschschülerin aus Chile zu mir kam, stand fest, dass ich nach Lateinamerika möchte. Warum Guatemala? Mit Proyecto Mosaico habe ich eine Organisation gefunden, die verschiedene soziale und ökologische Projekte in Zentralamerika vermittelt. Da ich die Länder, in die ich reisen würde, nicht nur aus Touristenaugen kennenlernen, sondern die Leute, das Land, die Kultur und die Problematik richtig kennenlernen wollte, war ich von der Idee, in einem sozialen Projekt mit Kindern mitzuarbeiten begeistert. Als ich dann die Seite durchforstete, waren ziemlich viele schöne Projekte in Guatemala. Unter anderem das Projekt EducArte, was mich sehr angesprochen hat.    

Eileen: Hast du schon Spanisch gesprochen? 

Helena: Insgesamt habe ich 2 Jahre Spanischunterricht gehabt. Wobei man sagen muss, dass ich eher gelernt habe, eine Analyse von komplizierten Texten über die illegale Einwanderung von Afrika nach Spanien oder México in die USA zu schreiben, anstatt zu lernen, wie man Brot in einer Bäckerei bestellt. 

Eileen: Was war deine Aufgabe bei EducArte? 

Helena: Ich habe den Lehrern geholfen, mit den kleinen Kindern zu kochen, zu malen oder zu basteln. Ziemlich schnell wollte ich aber aktiver werden und habe selbst Unterricht in Englisch und TaekwonDo gegeben. Schnell habe ich regelmäßige Zeiten gehabt und mit den Kindern gelernt und Sport getrieben. Außerdem war ich bei vielen Veranstaltungen als Helfer dabei, wie z.B. dem Kunstfestival, dem Aktionstag “Keine Gewalt gegen Frauen” oder  anderen. Dabei muss man allerdings sagen, dass ich selbst viel mehr gelernt habe. 

Eileen: Was gefällt dir an EducArte und was könnte man deiner Meinung nach noch verbessern?  

Helena: Mir gefällt, dass die Lehrer und Lehrerinnen sehr gut und lieb mit all ihren Kindern arbeiten, dass die Kinder sehr gut aufgehoben sind und dass sie sehr viele verschiedene Unterrichtsarten haben. Meiner Meinung nach könnte man an der Pünktlichkeit der Lehrer und der Kinder arbeiten und daran, im Vorhinein ordentlich zu organisieren, welche Kinder wann und wo zu erscheinen haben.  Klar, machmal kann man daran nichts ändern, da man die Familiensituationen der einzelnen Kinder nicht ganz kennt, aber mir kam manchmal alles ein bißchen durcheinander vor.

Eileen: Wie schätzt du deine Erfahrung bei EducArte ein?

Helena: Meine Erfahrungen wurden eigentlich nur positiv geprägt. Ich hatte eine unglaublich tolle Zeit, mit lustigen und lehrreichen Gesprächen mit den Lehrern, mit viel Unterstützung und Engagement. Es gab immer viel zu tun.  Meine Vorstellungen wurden in keinster Weise enttäuscht. Letztendlich habe ich viel mehr TaekwonDo-Unterricht gegeben und viel weniger Englischunterricht als gedacht, was ich aber gar nicht schlimm fand.  

Eileen: Was kannst du anderen Voluntären empfehlen oder raten? 

Helena: Oh, das ist schwer. Denn ich denke, dass jeder erst einmal seine Zeit braucht, in das Projekt und die Strukturen reinzufinden. Deswegen auf jeden Fall mindestens 2 Monate oder länger bleiben, damit man alle Kinder, Lehrer und Abläufe gut kennenlernen und sich gut reinfinden kann. Ich glaube außerdem, dass es gut ist, wenn man selbst Englischunterricht und eine andere Aktivität einbringt, damit die Kinder das Gefühl haben, dass man ihnen ein kleines bißchen geben kann und nicht nur dabei sitzt und zuguckt. Außerdem: einfach offen sein, auf die Kinder zugehen, mit ihnen spielen und auf sie hören. Denn von den Kleinen kann man echt mehr lernen, als man denken mag. Mit Vorsicht und Achtung an die Probleme der Kinder und deren Familien gehen. Es ist sehr interessant, all die Probleme der Frauen oder die Armut mitzubekommen. Man selbst kann als Ausländer nicht die Welt verändern, aber man kann einfach ein bißchen was dafür tun, dass die Kinder eine gute Zeit haben und Bildung bekommen. Nicht aufgeben, wenn man am Anfang nicht alles versteht oder sagen kann. Das kommt langsam mit der Zeit, auch wenn die Kinder einen auslachen oder man gar nicht weiß, was alle von einem wollen. Kopf hoch, Erfahrungen sammeln, nach vorne schauen und weitermachen! ;)

Eileen: Wie geht es bei dir nun weiter? 

Helena: Jetzt fliege ich erst einmal für 2 Monate zu meiner Gastschwester nach Chile. Danach werde ich in einem sozialen Projekt in Ecuador mithelfen und ein bißchen reisen. Ich hoffe, dass es alles irgendwie gut klappt, da ich jetzt völlig allein bin. Aber auf dem Weg lernt man bestimmt immer nette Leute kennen. Und wenn ich dann Mitte Mai wieder nach Deutschland komme, muss ich mich wohl um meine Zukunft kümmern, herausfinden, was ich machen will und einen Studienplatz suchen. Außerdem will ich Leute in Deutschland über die Arbeit hier in Guatemala informieren und ihnen erklären, wie man wirklich effektiv helfen kann. 

Eileen: Welche Botschaft möchtest du EducArte übermitteln? 

Helena: Ihr Lieben, ich hatte eine unglaubliche Zeit. Ich habe die Kinder so lieb gewonnen. Auch die Lehrer überall zu treffen und mit ihnen in Ciudad Vieja und Antigua zu leben, hat mir Erfahrungen gegeben, die ich niemals vergessen werde. Ich habe das Land und die Leute in mein Herz geschlossen und bin dankbar für alles, was ich lernen durfte. Mit euch ist die Welt ein bisschen besser, mit euch bekommen Kinder die Möglichkeit, Kind zu sein. Bitte, macht weiter so mit viel Kraft und natürlich viel Liebe, Vertrauen und Hoffnung. Eine andere Welt ist möglich.